Der Gall-Hans stellt einen Segensarzt und Zauberer aus dem 16. Jahrhundert dar. Bei der Gestaltung von Gall-Hans-Häs und Maske wurde versucht, die Charaktereigenschaften dieser historischen Figur mit dem Kleidungsstil der damaligen Zeit zu verbinden:

Die Maske gibt in besonderer Weise die Charaktereigenschaften des Gall- Hans wieder. Die hochgezogenen Augenbrauen sowie die Einkerbungen in den Backen-, Mund und Kinnpartien verleihen ihr einen beschwörenden Ton. Die Farben gelb und grün stehen einerseits für die von ihm gesammelten Kräuter, andererseits symbolisiert grün die Hoffnung und gelb die Gefahr. Die roten Wangen der Maske sollen ein Beleg dafür sein, dass sich der Gall-Hans häufig im Freien aufhielt. Die Maske wird aus gut abgelagertem und getrockneten Lindenholz hergestellt. Um zu verhindern, dass sie reisst, wird sie mehrfach verleimt. Darüber hinaus muss sie Wind und Wetter standhalten. Die hierzu nötige Behandlung wird mit natürlichen und ungiftigen Substanzen durchgeführt.

Das Häs besteht aus einer dunkelroten Jacke mit großem über die Schulter fallendem, abgestepptem Kragen und weiten in Falten gelegten Ärmeln sowie aus zwei großen aufgesetzten Taschen. Der Armbund und die Jacke werden mit einer schwarzen Borte eingefasst und mit einer schwarz-weißen Zick-Zack-Borte verziert. Oben am linken Ärmel ist das Wappen der Narrenzunft angenäht. Ein dunkelgrünes Halstuch wird im Ausschnitt drapiert und ein Makrameegürtel wird um die Taille geschlungen. Über der Jacke wird ein graumelierter Umhang, eingefasst mit einer grünen Borte und mit aufgesetzten roten, grünen, gelben und braunen Blättern, getragen. Als Verschluss dient ein hölzerner Knebelverschluss. Eine schwarze, weite Kniebundhose mit rot abgesteppten Plisseefalten, rotmelierten Kniebundstrümpfen, schwarze Strickhandschuhe und knöchelhohe, schwarze Schuhe vervollständigen das Gall-Hans-Häs. Einen mannshohen Stecken mit einer Astgabelung – verziert durch Schnitzereien und zwei mit Makrameeknoten befestigten Schellen – trägt jeder Gall-Hans-Hästräger ständig bei sich.

 

Wer war er?

 

Der Gall-Hans stellt einen Zauberer und Segensarzt dar, der im 16. Jahrhundert sein Unwesen in Rommelsbach trieb. Er gab an, die Menschen mit seinen Kräutern heilen zu können, und versprach verborgene Schätze in den Kellern der Rommelsbacher zu finden. Nachdem die Leute dem Gall-Hans ihr sauer verdientes Geld gegeben hatten, ward dieser nicht mehr gesehen. Natürlich trat bei den Kranken auch keine Besserung ein. Einer totkranken, jungen Frau hängte er Wurzeln an den Hals und schmierte sie mit seinen Kräutern ein, wovon die Schmerzen aber noch größer wurden. Er versprach ihr Genesung, wenn sie ihn eine Nacht bei sich schlafen lasse.

Die junge Frau weigerte sich und verlangte von ihrem Vater diesen unzüchtigen Mann fortzuschaffen, damit sie nicht mehr von ihm belästigt werde. Eher wolle sie sterben. Kurze Zeit später starb die junge Frau und man gab dem Gall-Hans alle Schuld daran.

Die fürstliche Kanzlei in Stuttgart überprüfte den Gall-Hans bereits im Jahr 1583. Sie lies sich zeigen, welche Kräuter und Arzneien er verwendete. Er hatte gestanden, mit Segen (Zaubersprüche) und Unholden umgegangen zu sein, hat aber nun versprochen, diese Dinge bleiben zu lassen. Die Amtsleute in Tübingen sollten ihn beobachten, ob er etwas anderes als Kräuter und ordenliche Mittel verwendet. Wenn nicht, sollten ihn die Tübinger Amtsleute einsperren. Nun aber habe er sich nicht daran gehalten, und weil er ein seltsammer Geselle sei, solle man nach seiner Verhaftung weitere Erkundungen über ihn einziehen. Die Aufzeichnungen enden damit, dass berichtet wird, der Hans Buckmüller (Gall-Hans) sei nicht mehr Bürger in Rommelsbach, sondern ins Zollerische gezogen. Offenbar war er unter diesen Bedingungen freigelassen worden. Den Amtsleuten von Tübingen wurde jedoch eingeschärft, streng darauf zu achten, dass er nicht wieder württembergisches Gebiet betritt.

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